Die Bürde, ein Mädchen zu sein

Als Mädchen in einem Entwicklungsland auf die Welt zu kommen verringert die Überlebenschancen um ein Vielfaches. Die Verfügbarkeit von medizinischen Einrichtungen, sauberem Trinkwasser und bezahlbaren Medikamenten stellt eine wichtige Grundvoraussetzung für das gesunde Aufwachsen von Mädchen dar.

Aber in erster Linie ist die gesellschaftliche Wertschätzung entscheidend, die ihnen aberkannt – und manchmal schon vor – ihrer Geburt entgegengebracht wird. In Indien und China besteht für Mädchen zudem die Gefahr, bereits im Mutterleib getötet zu werden. Eltern lassen durch Ultraschall- und Fruchtwasser-Untersuchungen das Geschlecht ihres Kindes feststellen. Ist es ein Mädchen, entschließen sich viele Familien zur Abtreibung. Diejenigen, die sich das nicht leisten können, vernachlässigen oftmals ihre Töchter in den ersten Lebensjahren, das wiederum dazu führt, dass mehr Mädchen als Jungen in den ersten fünf Lebensjahren sterben.

 

Die alltägliche Diskriminierung von Mädchen

  • 99 Prozent der abgetriebenen Föten in China und Indien sind Mädchen.

  • Von 13 Millionen Mädchen, die jährlich in Indien geboren werden, erleben 25 Prozent nicht ihren 15. Geburtstag (das entspricht 3,25 Millionen).

  • In anderen Regionen Südasiens sterben bis zu eine Million Mädchen im Jahr aufgrund von Benachteiligungen im Bereich Ernährung und Gesundheitsversorgung.

  • Ca. 4,5 Millionen Frauen haben infolge von Proteinmangel in der Kindheit Lernschwierigkeiten und sind körperlich zurückgeblieben (Kleinwüchsigkeit).

  • 70 Prozent der chronisch Hungernden weltweit sind Mädchen und Frauen.

 
Mädchen sterben eher, weil sie vernachlässigt werden
Die höhere Sterblichkeitsrate von Mädchen in Entwicklungsländern lässt sich auf geschlechtsspezifische Benachteiligungen in der Kindheit zurückführen:

  • Jungen werden länger gestillt als Mädchen.
  • In den meisten Ländern erhalten Jungen bessere und mehr Nahrungsmittel als ihre Schwestern, vor allem in Notzeiten.
  • Jungen erhalten häufiger alle notwendigen Impfungen.
  • Im Krankheitsfall bringen Eltern Söhne eher als Töchter zum Arzt.

 

Erschwerend hinzu kommen die gesundheitlichen Risiken aufgrund einer ungenügenden Versorgung mit sauberem Trinkwasser und den mangelhaften hygienischen Verhältnissen, in denen viele Familien leben. Rund 1,2 Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, und etwa doppelt so viele verfügen über keine oder nur unzureichende sanitäre Einrichtungen.


In den ländlichen Regionen Asiens und Afrikas versorgen sich Millionen Menschen aus Flüssen, Seen oder verschmutzten Wasserstellen. Mädchen, die aufgrund der zahlreichen Benachteiligungen in den frühen Lebensjahren ein schwächeres Immunsystem ausgebildet haben, sterben eher an Infektionskrankheiten und Parasitenbefall, der verursacht wird durch verunreinigtes Wasser. Erkranken Mädchen an Durchfall, Malaria oder Bronchitis, ist es nicht selbstverständlich, dass die Eltern eine Gesundheitsstation oder einen Arzt aufsuchen. Medikamente und medizinische Behandlungen kosten Geld, und Gesundheitseinrichtungen befinden sich nicht immer in erreichbarer Nähe.


Kurzum: Das Überleben der Mädchen, die ohnehin später die elterliche Umgebung verlassen, hat keine Priorität. Denn in vielen Gesellschaften ist für Mädchen eine frühe Verheiratung und Mutterschaft vorgesehen. Das durchschnittliche Heiratsalter von Mädchen in Bangladesch beträgt 14 Jahre, in Nepal und Mali liegt es bei 16 Jahren. In Niger, Uganda, Malawi, Guinea und Mali sind bereits knapp 50 Prozent der Mädchen unter 19 Jahren verheiratet.

 

Plan engagiert sich gegen die Abtreibung weiblicher Föten.