Mädchen haben ein Recht auf eine Geburtsurkunde
Von den jährlich weltweit 133 Millionen geborenen Kindern werden mehr als 48 Millionen nicht registriert. Die meisten davon leben in Asien und Afrika südlich der Sahara. Ohne eine Geburtsurkunde besitzen sie de facto keine Staatsbürgerschaft, und ihnen ist der Zugang zu elementaren Rechten verwehrt."Jedes Kind hat das Recht auf einen Namen."
(Artikel 7/8 der UN-Kinderrechtskonvention)
In vielen Ländern ist die Geburtenregistrierung Voraussetzung, um geimpft oder in ein Krankenhaus eingewiesen, eingeschult oder zu Abschlussprüfungen zugelassen zu werden. Ohne einen solchen Identitätsnachweis können Menschen weder heiraten, ein Konto eröffnen noch wählen oder gewählt werden. Es sind vor allem Kinder aus armen Familien und Kinder ethnischer und religiöser Minderheiten sowie in der Mehrzahl Mädchen, die nicht registriert sind.
Die Ausstellung einer Geburtsurkunde ist für viele Familien zu teuer, und die Meldestellen liegen häufig zu weit vom Heimatdorf entfernt. In einigen Ländern lassen viele Eltern, wenn überhaupt, nur ihre Söhne registrieren, da sie die Töchter weniger wertschätzen. Laut Unicef verfügen weltweit 22 Staaten über unzureichende Systeme der Geburtenregistrierung, in sieben Ländern gibt es gar kein vergleichbares System.
Vergessen, schutzlos, ausgebeutet
In der Rechtsprechung vieler Staaten ist inzwischen der Schutz von Minderjährigen verankert. Dennoch zeigen solche Gesetze kaum Wirkung, da Minderjährige oftmals ihr Alter nicht nachweisen können. Trotz der Einführung eines Mindestheiratsalters in vielen Ländern werden immer noch 83 von weltweit 331 Millionen Mädchen vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet.
Das Geschäft mit Kinderhandel, Kinderprostitution, Kinderarbeit und illegaler Adoption blüht. Ohne Papiere lassen sich weder das Alter noch die Herkunft der Mädchen und Jungen nachweisen, sodass Kinderhändler, deren Kunden und ausbeuterische Arbeitgeber oft ungestraft davonkommen.
Eine besondere Gefährdung für Mädchen besteht in Zeiten bewaffneter Konflikte oder Bürgerkriege und wenn sie in Flüchtlingscamps zur Welt kommen. Ohne Geburtsurkunde sind diese Kinder staatenlos und können somit keine Bürgerrechte in Anspruch nehmen. Darum finden Kinderhändler in der Umgebung von Flüchtlingscamps leicht Opfer. Von mehr als einer halben Million Kindersoldaten weltweit sind Schätzungen zufolge mindestens 20 Prozent Mädchen. Gegen deren Rekrutierung kann rechtlich nicht vorgegangen werden.
Die Geburtenregistrierung
- ist ein fundamentales Recht
- sichert Bürgerrechte
- bietet Mädchen und Jungen mehr Schutz vor Ausbeutung und Missbrauch
- liefert Regierungen notwendige Daten für Planungen im Bildungs- und Gesundheits-Sektor
- unterstützt Familienzusammenführungen z.B. nach Bürgerkriegen und Naturkatastrophen
- ermöglicht Waisenkindern die Durchsetzung ihrer Erbansprüche
Ausgewählte Plan-Projekte
Seit Mitte der 90er Jahre besteht das Programm zur globalen Geburtenregistrierung (UBR - Universal Birth Registration). Dessen Ziel ist es, die Mechanismen der Registrierung zu vereinfachen und die Menschen über die Bedeutung einer Geburtsurkunde aufzuklären. Dabei arbeitet Plan eng mit weiteren Nichtregierungsorganisationen und Regierungen zusammen.
Asien
Im indischen Bundesstaat Orissa haben 3,2 Millionen und in Bangladesch mehr als vier Millionen Kinder nun eine offizielle Identität. In Indonesien erarbeitet Plan zusammen mit Unicef und der Regierung wirksame Gesetze zur Umsetzung der Geburtenregistrierung. Ferner fördert Plan im Land den Aufbau von Registrierungssystemen und informiert Gemeinden über die Wichtigkeit einer Geburtsurkunde. In zwei Distrikten Pakistans ist nach intensiven Schulungsmaßnahmen durch Plan ein Budget für die Geburtenregistrierung in der örtlichen Verwaltung fest verankert worden.
Westafrika
Kinderhandel ist in Westafrika ein blühendes Geschäft. Dort sind auch die meisten Kinder nicht registriert. Bereits mehrere tausend Mädchen und Jungen erhielten mittels mobiler Registrierungsbüros endlich eine Geburtsurkunde. Gleichzeitig wurden Regierungsbeamte über das Thema und seine Auswirkungen im Kampf gegen den Kinderhandel geschult. In Benin können Schwangere, die in Plan-Gesundheitszentren betreut werden, ihre Kinder nach der Geburt sofort und unbürokratisch registrieren lassen.

