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So fing alles an: Die Gründung

Wie kommt man auf die Idee, eine Hilfsorganisation zu gründen? Und was ist dann das "Erfolgsrezept"? Die Zeitzeugen Rudolf Stilcken und Dr. Werner Bauch haben ihre Erinnerungen festgehalten. Rudolf Stilcken war der erste Vorstandsvorsitzende von Plan Deutschland. 1997 löste ihn Dr. Werner Bauch in dem Amt ab.

Wer den Erfolg von Plan International Deutschland e.V. 20 Jahre später Revue passieren lässt, läuft Gefahr einen "geplanten" Weg zu beschreiben. Das war es sicher auch. Aber eben nicht nur. Eine Reihe von glücklichen Zufällen und mutigen Entscheidungen haben dafür gesorgt, dass Plan International Deutschland e.V. heute einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation von etwa 2,7 Millionen Menschen in den ärmsten  Ländern der Welt leisten kann. Innerhalb dieser Zeit hat sich die deutsche Organisation zur größten Spendenorganisation innerhalb der Plan-Familie entwickelt und bis heute fast 650 Millionen Euro in Deutschland gesammelt.

 

Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter. Alle Väter und Mütter von Plan in diesem Beitrag namentlich aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Der Chronist kann sich nur auf wenige Namen beschränken. Aber jeder der am Erfolg von Plan beteiligt war, sollte sich hier angesprochen fühlen und darf mit Recht ein wenig stolz auf sein persönliches Engagement sein.

 

Von Plan "infiziert"

 

Zufällig war da am Anfang ein Geschäftsessen in New York, bei dem der heutige Vorstandsvorsitzende Dr. Werner Bauch neben einem holländischen Berufskollegen einer Public Relations-Agentur saß, der den Auftrag hatte, geeignete Personen für den Aufbau einer Plan-Organisation in Deutschland zu suchen. Plan Holland war 1988 mit Abstand die größte Organisation im internationalen Plan-Verbund und sollte ein Plan Deutschland initiieren. Dieser von dem Thema Entwicklungszusammenarbeit wenig verstehende und nicht sonderlich überzeugte PR-Mann wurde von dem damaligen Geschäftsführer der holländischen Organisation auf diese Weise von Plan sozusagen „infiziert“. Er recherchierte und dachte nach. Es war sofort klar, dass die erfolgreiche Gründung einer Spendenorganisation wie Plan nur mit Fortune und exzellenten Beziehungen möglich war. Ein begnadeter Netzwerker musste her.

 

Da erinnerte sich der PR-Mann an den Werbe- und Kommunikationsfachmann Rudolf Stilcken. Bei einem Treffen der beiden wurde schnell das Unerwartete klar: Die Plan-Idee hatte das professionelle Interesse von Rudolf Stilcken geweckt: ein ehrenamtliches Engagement zum Aufbau eines Kinderhilfswerks, das passte in sein Leben. Es musste noch eine Nacht gezittert werden, da Rudolf Stilcken dieses Engagement  mit seiner Frau Angelika Jahr-Stilcken besprechen wollte. Die Zustimmung kam prompt und mit dem Herzen.

 

Ein Glücksfall für Plan


Dass es Rudolf Stilcken gelang, so bekannte Persönlichkeiten wie den Bundespräsidenten a. D. Walter Scheel und den Bundeskanzler a. D.  Helmut Schmidt als Schirmherren für eine in Deutschland völlig unbekannte Organisation zu gewinnen, bleibt sein Geheimnis. Die Liste der Gründungsmitglieder des Vereins wie auch der ehrenamtlichen Kollegen in Vorstand und Kuratorium war äußerst sorgfältig ausgesucht. Sie hätte jeden weitaus größeren Verein geschmückt. Ein Glücksfall für Plan.

 

Einem weiteren glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass als Geschäftsführerin der Stunde null Marianne M. Raven ausgewählt wurde. Diese Anwältin ohne jeden Fundraising-Hintergrund oder Stallgeruch in der Entwicklungszusammenarbeit hatte sich initiativ beworben. Sie hatte einige Erfahrung im Presserecht bei Gruner + Jahr gesammelt, aber war sie in der Lage eine Organisation wie Plan aufzubauen? Der Headhunter rümpfte die Nase, aber sie setzte sich durch. Hier trifft dann sicher der dem „Glücklichen Zufall“ verwandte Begriff "Serendipität" zu: Man suchte etwas ganz Anderes und entdeckte etwas Besseres. In der Zeit der Geschäftsführung von Marianne M. Raven wuchs die Zahl der Patenschaften bei Plan Deutschland auf mehr als 270.000.

 

Gern gelernte Lektion


Wie kommt man von Null auf über 270.000 Patenschaften oder von null Mark (1989) auf über 80 Millionen Euro Einnahmen (2009) pro Jahr? Am Anfang waren da zwei Namen: Max Kullmann und Gernot Mulot. Beide waren in unterschiedlichen Funktionen beim Otto-Versand in Hamburg tätig. Sie haben - ehrenamtlich - Plan Deutschland gezeigt, wie man als unbekannte Größe im Spendenmarkt wachsen kann. Für den Werber und den PR-Mann übrigens eine schwer zu verstehende Lektion. Aber das importierte Know-how des Otto-Versandes bewies es. Der Plan-Bekanntheitsgrad liegt stabil bei etwas über zehn Prozent. Trotzdem (oder gerade deshalb?) ist Plan heute in Deutschland unter den drei größten Entwicklungshilfe-Organisationen.

 

Jede Organisation hat Sternstunden. Plan International Deutschland e.V. hatte diese bei der Ausstrahlung der ersten Fernsehshow am 16. September 1995 bei RTL. Eine Prominenten-Play-back Show mit Linda de Mol in Köln brachte den Durchbruch. Unvergessen der legendäre Auftritt von Marie-Luise Marjan, "Mutter Beimer" der "Lindenstraße" und Plan-Botschafterin der ersten Stunde als Louis "Satchmo" Armstrong. Unvergessen der unermüdliche Telefondienst zahlreicher gestandener Männern und Frauen im Dienste von Plan. 35.000 neue Patenschaften wurden für Plan in einer Nacht gewonnen. Mitglieder von Vorstand und Kuratorium, Mitarbeiter und Künstler sowie Mitglieder von Aktionsgruppen lagen sich vor Freude in den Armen. Gefühle pur: Tränen des Glücks flossen.

 

Vision und Ziele


Dann übergab 1997 der Werber Rudolf Stilcken den Vorstandsvorsitz an den PR-Mann Dr. Werner Bauch und wechselte in den Vorsitz des Kuratoriums. Der Erfolg blieb Plan und seiner Idee der Hilfe zur Selbsthilfe für Kinder, ihre Familien und Gemeinden treu. Aus 100.000 Patenschaften wurden 200.000. Mit Fernsehshows, aber auch ohne. Wann werden es 300.000 sein?

 

Jede Organisation muss sich Herausforderungen stellen. Plan International Deutschland e.V. ist erfolgsverwöhnt. Das kontinuierliche Wachstum über 20 Jahre ist alles andere als selbstverständlich. Es bedarf neben glücklichen Zufällen, harter Arbeit, Kontinuität und mutigen Entscheidungen auch der Kraft zur steten Erneuerung. 20 Jahre nach dem Start in Deutschland verbindet die Plan-Familie im Land eine Vision:

 

"Wir wollen eine Welt, in der sich alle Kinder frei entfalten und entwickeln können. In  einer Gesellschaft, die die Würde und die Rechte der Menschen respektiert."

 

Bei Plan kann jeder helfen, dieser Vision näherzukommen. Von dieser Vision und von unseren Zielen täglich mehr Menschen in Deutschland zu überzeugen, ist die eigentliche Herausforderung. Es muss unser Ziel sein, in weiteren 20 Jahren, also 2029, noch einmal so vielen Menschen wie heute, also etwa 5,4 Millionen, den Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu ebnen.


 
Alle, die mitwirken wollen, diese Herausforderung anzunehmen, laden wir sehr herzlich ein. Es ist ein besonderes Glück, aktiver Part der Plan-Familie zu sein. Glückliche Zufälle kommen unverhofft. Oder wie das Serendipitätsprinzip sagt: Der Zufall begünstigt nur den vorbereiteten Geist.

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