Äthiopien
Wasser ist alles – Teil I Shebedino
In dem ostafrikanischen Land hängt der Ackerbau von den Regenzeiten ab. Mit dem Klimawandel verändern sich die Jahreszeiten und Dürren zerstören die Ernten. Plan unterstützt die Menschen in seinen Programmgebieten mit Bewässerungssystemen und setzt sich dafür ein, das Umweltbewusstsein noch stärker in die kindorientierte Gemeindeentwicklung vor Ort zu integrieren.Zufrieden begutachtet Siriphato Otisi seine Felder in Aramesa. Die Maispflanzen sind ausgetrocknet, nichts wächst mehr auf dem rissigen Boden. Freude trotz Dürrenotstand? Siriphato gehört zu den Bauern der Region, die sich auf eine ertragreiche Ernte einstellen. Direkt unter der Erdoberfläche liegen Bohnensetzlinge – bereit zu sprießen. Der Mais ist zwar vertrocknet, aber nur, weil Siriphato es so wollte. Mit dem Maisstroh füttert er seine Kühe.
Neben harter Arbeit gehört auch Glück zu diesem Erfolg. In unmittelbarer Nähe von seinem Ackerland fließt Wasser durch schmale Kanäle – gespeist aus Seen und kleinen Flüssen. Siriphatos Farm ist somit eine von 200 der Region Shebedino, die von der Wasserversorgung profitiert.
Ende der 1970er Jahre hatte die Regierung die Kanäle gebaut. Plan setzte sie instand und zeigte den Bauern, wie sie die Wartung übernehmen können. Siriphato ist jetzt Vorsitzender der "Wamolie Bewässerungskooperative" und für die Funktionstüchtigkeit der Anlagen verantwortlich.
Sein Dorf liegt auf einer flachen Ebene, so dass mit einfachen Mitteln und Hilfe der Betonrinnen die Felder bewässert werden können – auch in trockenen Perioden, denn die Seen sind natürliche Speicher. Das genügt, um die Kinder und alle anderen Mitglieder in der Kooperative mit Nahrung zu versorgen.
Zwei Ernten
"Wasser bedeutet alles", sagt Siriphato nachdenklich. "Es ist lebensnotwendig. Viele Bauern in der Umgebung haben nicht so viel Glück wie ich." Gerade in Zeiten, in denen auf die Regenperioden kein Verlass mehr ist, weiß er das Bewässerungssystem zu schätzen.
Die über Plan hergerichteten Anlagen machen die Kooperative unabhängig von den Niederschlägen: "Wir können jetzt zwei Ernten pro Jahr einfahren und den Anbau diversifizieren. Das bedeutet, die Böden werden nicht so stark ausgelaugt und die Familien bekommen bessere Nahrung. Obst und verschiedene Gemüse werden neben Getreide angebaut. Wir können sogar Getreide für den Verkauf produzieren und etwas Geld sparen", berichtet der Bauer.
Hunger im Nachbardorf
"Wir bewässern nie", sagt hingegen Batisse Dassa. Die Mutter von drei Kindern wohnt nur wenige Kilometer von Siriphato Otiso entfernt, aber man könnte denken, sie lebte auf einem anderen Planeten. Ihre Familie hat weniger Land als Siriphato. Verantwortlich für die Not der Familie ist jedoch der Mangel an Wasser. Er ist der Grund, warum alle in der Familie ständig Hunger haben und Batisse Gelegenheitsjobs annehmen muss.
Der nächste Wasserlauf ist klein – und liegt vor allem tief in einem Tal. Man kann dort Trinkwasser holen, aber für die Bewässerung ganzer Felder reicht es nicht aus. Der Ackerbau hängt also traditionell von der Regenzeit ab. Aktuell regnet es sehr wenig. "Es reicht nicht, wenn es nur regnet. Es muss auch zur richtigen Zeit regnen. In letzter Zeit kam der Regen später als üblich. Dann ist es bereits heiß und die Sonne brennt. Unsere Bohnen können nicht gedeihen, wenn sich der Regen verspätet, auch wenn es dann genug Wasser gibt", sagt Batisse.
Verschobene Jahreszeiten
Ihr fällt auf, dass sich die Jahreszeiten verschoben haben: "Gerade in meiner Generation hat sich vieles verändert. Wir haben in der Regenzeit weniger Niederschlag als unsere Eltern ihn hatten. Und wenn der Regen doch kommt, dann nur sporadisch. Manchmal stirbt unser Getreide schon in der Wachstumsphase ab. Viele der ärmsten Familien in der Gegend haben die Bäume weiter oben auf dem Berg gefällt, weil sie Brennholz benötigten. Wenn es nun nach einer längeren Trockenzeit regnet, wäscht die Erde aus. Sie wirft dann schlechtere Erträge ab. Selbst wenn die Pflanzsaison gut verläuft, können wir keinen Überschuss produzieren und Geld sparen. Die letzten drei oder vier Jahre waren unerträglich. In den vergangenen zwei Jahren hat es praktisch gar nicht geregnet."
Weiter lesen
Wasser ist alles – Auf dem größten Markt Afrikas in Addis Abeba
Wasser ist alles – Wasserversorgung auf 2.600 Metern Höhe in Lalibela

