Guinea
Beschneidungsfreie Dörfer
Eine guineische Hebamme sagt "Nein!" zur weiblichen Genitalverstümmelung. Die außergewöhnliche Frau will nicht länger akzeptieren, dass die Gesundheit von Mädchen und Frauen einer grausamen Tradition geopfert wird – mit Erfolg. So arbeitet Plan über den "Internationalen Tag gegen Mädchenbeschneidung" hinaus an der Abschaffung der Praxis.Madame Madeleine Tolno – auch genannt "Tante Mado" – lebt in Guinea. Sie ist das einzige überlebende Kind ihrer Mutter. Fünf Geschwister starben bei der Geburt: Es traten Komplikationen auf, weil die Mutter als junges Mädchen verstümmelt worden war. Aus demselben Grund sah Madame Tolno in ihrer 25-jährigen Karriere als Hebamme unzählige Kinder und Mütter sterben und sie begann, die Praktik zu hinterfragen.
Damit sich etwas ändert, gründete Madame Tolno die "Association des Femmes pour l’Avenir des Femmes" (AFAF - Frauenvereinigung für die Zukunft der Frauen). Seit Mai 2007 arbeitet Plan in Guinea mit AFAF zusammen. Im April 2008, kaum ein Jahr nach Projektbeginn, erklärte das Dorf Koumonin im Nordwesten Guineas öffent- lich, dass es Mädchen nicht länger beschneidet. Ein großer Erfolg, bedenkt man, wie tabube- laden das Thema und wie groß der gesellschaft- liche Druck ist, der Traditition zu folgen.
Sechs weitere Dörfer sind dem Vorbild von Koumonin inzwischen gefolgt und haben sich ebenfalls als beschneidungsfrei erklärt. Als am 6. Februar 2009 hunderte Mädchen und Frauen durch die Stadt Gueckedou marschierten, um den Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung zu feiern, hat die guineische Anti-Beschneidungs-Bewegung weiteren Auftrieb erhalten. Solch eine öffentliche Kundgebung gegen Genitalverstümmelung wäre vor Projektbeginn undenkbar gewesen.
Wie lässt sich dieser Erfolg erklären?
Plan und AFAF haben eine Alternative zur traditionellen Beschneidungszeremonie entwickelt. Während der vier Tage dauernden Zeremonie werden die Mädchen über Gesundheitsfragen rund um Schwangerschaft und Geburt aufgeklärt. Sie diskutieren über die Ehe und das Muttersein und erfahren, welche Rechte sie haben. Am letzten Tag kommen ehemalige Beschneiderinnen und die Mütter der Mädchen dazu und erzählen Geschichten von traditionellen Initiationszeremonien. Eine Feier mit Tanz und Geschenken beschließt die Frauwerdung der Mädchen offiziell.
Engagement in der Nachbarschaft
An der Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung arbeitet Plan über den "Internationalen Tag gegen Mädchenbeschneidung" hinaus – und auch im benachbarten Mail. In dem westafrikanischen Land ist die weibliche Genitalverstümmelung ebenfalls weit verbreitet. Mehr als 90 Prozent der Frauen sind im Mädchenalter beschnitten worden. Plan setzt sich engagiert für das Recht auf körperliche Unversehrtheit sowie auf Selbstbestimmung ein. Wenn Sie dies unterstützen wollen, spenden Sie für das Projekt "Mädchen vor Beschneidung schützen".

