16.08.2009

International

"Entwicklung höchst dramatisch"

Das Eis wird dünn, die Pole schmelzen. Polarforscher Arved Fuchs brach Anfang Juni zu einer neuen Expedition in die Arktis auf, um den Rückgang des Polareises zu dokumentieren. Mittlerweile ist die Crew auf Zwischenstation in Island. Dort leitet der Plan-Pate ein internationales Klima-Camp für Jugendliche.

Sie hatten mit Ihrem Segelschiff eine stürmische Überfahrt, nun sind Sie in Húsavik auf Island. Wie geht es Ihnen und Ihrer Besatzung?

Danke der Nachfrage – alles bestens! Aber es ist auch ganz schön, mal einige Hafentage einlegen zu können.


Das I.C.E. -Camp 2009 auf Island ist bereits Ihr drittes internationales Klimacamp für Jugendliche. Was hat Sie dazu motiviert?

Es sind die positiven Rückmeldungen, die wir bisher von den Jugendlichen bekommen haben – und natürlich die Dringlichkeit des Anliegens. Die Generation, die jetzt heranwächst, wird mit den Folgen der veränderten Natur leben müssen. Mit dem I.C.E -Camp (steht für Ice – Climate – Education) möchten wir junge Menschen für den Klimaschutz und den Naturschutz im Allgemeinen sensibilisieren. 

Die Vermittlung von Lerninhalten in Verbindung mit dem Naturerlebnis Island ist authentisch und nachhaltig.

 

Wie setzt sich das Jugend-Klima-Camp dieses Jahr zusammen?

Dieses Jahr nehmen zehn Jugendliche zwischen 16 und 19 Jahren aus sieben Ländern teil. Sie stammen aus der Türkei, Frankreich, Schweiz, Tschechien, Grönland, Namibia und Deutschland. Darunter sind sechs Mädchen und vier Jungen.


Welche Projekte stehen während des Klima-Camps auf dem Programm?

Die Jugendlichen nehmen an Vorlesungen zum Thema Klimawandel von Dr. Dirk Notz vom Max- Planck-Institut für Meteorologie teil. Das ist die Grundlagenvermittlung. Darüber hinaus treffen sie sich aber auch zu Workshops, wo sie – auf das jeweilige Heimatland bezogen – Probleme des Klimawandels vor Ort diskutieren und individuelle Lösungsansätze erarbeiten. Zusätzlich gibt es natürlich auch Exkursionen, so ging es beispielsweise zum "Whale Watching" mit Schiffen aufs Meer hinaus. Im Anschluss hielten die Jugendliche Pro- und Contra-Vorträge zum Thema Walfang.


Aufgrund des Klimawandels und des zurückweichenden Packeises werden Sie mit der „Dagmar Aaen“ in Regionen gelangen, die bisher unzugänglich waren. Wie beurteilen Sie diese Situation?

Ich halte die Entwicklung für höchst dramatisch. Leider besitzt das Thema Klimawandel in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht mehr den ihm gebührenden Stellenwert. Dabei werden die Auswirkungen des Klimawandels viel gravierender ausfallen, als es bei der derzeitigen Wirtschaftskrise der Fall ist. Ich glaube, die Dringlichkeit des Problems ist immer noch nicht richtig verstanden worden.

Wann sind Sie und Ihre Crew wieder zurück in Deutschland?

"Dagmar Aaen" wird an der Westküste Grönlands überwintern. Eine kleine Überwinterungsmannschaft verbleibt an Bord, der Rest der Crew - mich eingeschlossen - wird Ende September zurück nach Deutschland kommen. Im nächsten Frühjahr geht es dann weiter, so dass das Schiff vermutlich im September 2010 wieder zurück in Hamburg sein wird.

Sie begeben sich auf die Spuren der Greely-Expedition von 1881 bis 1884, bei der nur sechs von 25 Teilnehmern überlebt haben. Was macht für Sie eine gute Expeditionsfahrt aus?

Unser Ziel ist es, möglichst weit in den Norden der Arktis zu reisen, um die historische Route der Greely-Expedition zu verfolgen und den Rückgang des Polareises zu dokumentieren. Absoluten Vorrang aber vor allen Aufgaben hat, dass wir alle heil und gesund wieder zurückkommen.

Was hat Sie bewogen, eine Patenschaft bei Plan zu übernehmen?

Die Patenschaft beinhaltet nicht einfach eine anonyme Spende - die Hilfe hat ein Gesicht und einen Namen. Man nimmt Kontakt mit dem Patenkind auf und schafft eine persönliche Bindung über Grenzen und Kontinente hinweg. Zudem – kann man mit wenigen Mitteln tatsächliche Hilfe leisten - und das gefällt mir!

 

Arved Fuchs ist Pate des zehnjährigen Gabriel aus Ecuador. Sein Honorar für einen Vortrag bei National Geographic über sein aktuelles Vorhaben spendete der Polarforscher und Buchautor an Plan: Die 500 Euro kommen dem Plan-Projekt "Ausstattung für Grundschulen in Ecuador" zugute.

Weitere Informationen zu der Expedition von Arved Fuchs hier.

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