International
Entwicklungshilfe verändert sich – Plan auch
Im März 2009 wird Plan Deutschland 20 Jahre alt. Anlass für einen Überblick über die Entwicklung unserer Arbeit in dieser Zeit und die heutigen Schwerpunkte.1989 wird die deutsche Organisation von Plan gegründet. Im gleichen Jahr verabschieden die Vereinten Nationen in New York die Kinderrechtskonvention, an deren Ausarbeitung Plan International beteiligt war. Kinderrechte rücken ins Zentrum der Programmarbeit von Plan.
Die Rechte der Kinder zu stärken, das ist damals ein Novum. Überhaupt geht es in den 80er Jahren bei der Entwicklungshilfe vor allem darum, einem Land zu Wachstum zu verhelfen. Durch die weltweite Öl- und Wirtschaftskrise haben sich viele Entwicklungsländer, die in den 70er Jahren ihre Ökonomie mit den Geldern der Industriestaaten aufgebaut haben, stark verschuldet. Die Auflagen von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) bei der Vergabe von Krediten sind oft so rigide, dass die Länder nur wenig Geld in die Gesundheit und Bildung der eigenen Bevölkerung investieren können.
Start der Gemeindearbeit
Begann Plan International seine Arbeit im Nachkriegseuropa, so verlagert die Organisation angesichts der großen Not vieler armer Länder seine Aktivitäten in den 60er und 70er Jahren zunächst nach Asien und Lateinamerika. Bei den Projekten für Gesundheit und Bildung stehen die Gemeinden und deren Bewohner in den Mittelpunkt. Plan baut Gesundheitsstationen auf und führt berufsbildende Maßnahmen durch. Die Menschen sollen Hilfe zur Selbsthilfe bekommen. Dabei rückt das Konzept der finanziellen Unterstützung einzelner Kinder stufenweise in den Hintergrund. Als die deutsche Organisation 1989 gegründet wird, ist es längst so, dass Patenschaftsbeiträge nur noch für Projekte verwendet werden, die das Lebensumfeld aller Kinder, Familien und Dorfbewohner verbessern.
Weltweites Umdenken
Anfang der 90er Jahre gibt es ein weltweites Umdenken in der Entwicklungszusammenarbeit. Die Organisationen und anderen Beteiligten erkennen, dass die Hilfe nur dann fruchten kann, wenn die Grundbedürfnisse der Menschen erfüllt sind und die Gemeindemitglieder von der Planung bis zur Umsetzung an den Projekten beteiligt werden. Vor allem wird deutlich: Wirtschaftliche Entwicklung darf nicht zu Lasten von Kindern und Frauen gehen, die in armen Regionen meist am schwersten von Benachteiligungen betroffen sind.
Die Hauptarbeitsfelder
Auch Plan entwickelt Ansätze wie die Partizipation weiter. Die 90er Jahre sind zugleich Jahre großen Wachstums. Zahlreiche nationale Plan-Organisationen werden in Europa gegründet.1996 erarbeitet Plan weltweite programmatische Richtlinien und legt fünf wesentliche Arbeitsfelder fest. Kinder sollen eine Stimme erhalten, ganz im Sinne der Kinderrechtskonvention. Gesundheit und Bildung der Menschen in den Programmgebieten stehen an erster Stelle, Plan verhilft den Bewohnern zu einem gesunden Lebensumfeld sowie einem Einkommen, das die Existenzgrundlage sichert. Zudem soll über den Austausch von Paten und Patinnen mit ihren Patenkindern Verständnis über kulturelle Grenzen hinweg gefördert werden.
Beteiligung der Kinder
Die Plan-Mitarbeiter sehen gute Erfolge in den Programmländern aber bemerken auch, wie wichtig es ist, Mädchen und Jungen an der Projektarbeit zu beteiligen, also nicht nur die Erwachsenen. Lange hatte man die Kinderrechtskonvention so verstanden, dass Kinder Fürsprecher brauchen, die ihnen helfen, zu ihrem Recht zu kommen. Nun wird deutlich, dass die Kinder selbst miteinbezogen werden müssen. Auch Frauen und andere gesellschaftlich schwache Gruppen werden stärker beteiligt. So können Projekte im Sinne einer ganzen Gemeinde realisiert und später erfolgreich eigenverantwortlich fortgeführt werden.
Die ersten Versuche, partizipativ zu arbeiten, gibt es Ende der 90er Jahre in Lateinamerika. Über Methoden wie „Childpro“ und „Sasito“ werden Kinder und Erwachsene zu ihren Wünschen befragt. Als erstes Land beginnt Plan Bangladesch 2000, Projekte von Planung über Umsetzung bis zu Bewertung und Kontrolle konsequent partizipativ zu gestalten. Das heißt: Alle Gruppen der Gemeinde werden in allen Projektphasen gehört und einbezogen.
Für und mit Kindern arbeiten
Verschiedene Modelle der Beteiligung werden 2002 im Arbeitsansatz der kindorientierten Gemeindeentwicklung festgeschrieben: Plan arbeitet nicht nur für Kinder, sondern auch mit ihnen. Gleichzeitig überzeugt Plan die Erwachsenen in den Programmgebieten davon, die Rechte der Kinder auch anzuerkennen und sich selbst aktiv an der Entwicklung der Gemeinde zu beteiligen. Beispiele für die positive Wirkung und den Erfolg der kindorientierten Gemeindeentwicklung gibt es inzwischen sehr viele (die Plan Post berichtet fortlaufend darüber). Das Prinzip ist in jedem Projekt von Plan verankert und wird stetig weiterentwickelt.
Nothilfe und Katastrophenvorsorge
In den vergangenen Jahren ist auch die Nothilfe für Plan immer wichtiger geworden. Naturkatastrophen beeinträchtigen die langfristig angelegten Entwicklungsziele. Ob Erdbeben, Wirbelstürme, Überschwemmungen oder Dürren - die Häufigkeit und Zerstörungskraft solcher Katastrophen nimmt zu. Sie betreffen Millionen Menschen. Plan engagiert sich deshalb zunehmend auch im Bereich der humanitären Hilfe und Katastrophenvorsorge. Das Kinderhilfswerk organisiert im Bedarfsfall systematische Soforthilfemaßnahmen für seine Partnergemeinden weltweit und schult die Menschen parallel in der Katastrophenabwehr.
Gleiche Chancen für Mädchen und Jungen
Plan ist mittlerweile Mitglied in diversen Bündnissen und Netzwerken, um Kinderrechte durchzusetzen und Mädchen und Jungen eine Welt zu schaffen, in der sie sich frei entfalten und entwickeln können. Mädchen und Jungen sollen gleiche Chancen erhalten. Weil jedoch in vielen Regionen der Welt die Töchter meist benachteiligt werden, setzt sich Plan Deutschland seit 2003 im Rahmen seiner Mädchen-Kampagne verstärkt für deren Rechte ein.
Die Welt verändert sich fortlaufend, darauf muss auch Plan reagieren und seine Arbeit bei Bedarf anpassen. Eines jedoch bleibt: Plan ist ein Kinderhilfswerk und sieht sich in der Verantwortung für Mädchen und Jungen, die in Armut leben. Ihnen und ihren Familien zu helfen, ihre Situation nachhaltig zu verbessern, den Kindern eine gute Perspektive für ihr Leben zu verschaffen - das ist und bleibt das wichtigste Ziel von Plan.

