Besuch mit langem Anlauf - Bei Samjhana und Balaram in Nepal

Familie Maas aus Tuttlingen war nicht zum ersten Mal in Nepal. Als sie dort vor sechs Jahren ihr ältestes Patenkind besuchen wollte, scheiterte dies kurzfristig wegen maoistischer Anschläge in der Region. Nun aber hat es geklappt. Lesen Sie den Bericht von Idilko Maas, wie sie, ihr Mann und ihr Sohn die beiden Patenkinder trafen.

"If you would like to visit my country I would like to inform that we have peace in the country now." Dieser kleine Satz in einem Brief unserer nepalischen Patentochter war der Auslöser für unsere Reise nach Nepal. Nach unserer Trekkingtour am Everest nähern wir uns dem Höhepunkt, dem Besuch bei unseren Patenkindern, dem vierzehnjährigen Balaram und der neunjährigen Samjhana. Zufällig wohnen beide Kinder im selben Ort im Bezirk Makwanpur, das erleichtert vieles.

Wir sind zu fünft: mein Mann Hans-Ulrich, unser Sohn Magnus und ich, außerdem Renate und Lukas Meyer, eine Freundin aus Deutschland und ihr Sohn – die Familie ist an der Patenschaft von Balaram beteiligt. Nach zwei Stunden Fahrt durchs Gelände treffen wir Hari, den Plan-Mitarbeiter, der uns nun begleitet. Er kennt alle Familien im Dorf, spricht prima Englisch und betreut drei "Plan-Dörfer" im Programmgebiet.

Steiler Aufstieg
Zum Dorf von Samjhana und Balaram sind wir zu Fuß unterwegs. Endlich, nach einem steilen Aufstieg, taucht zwischen den Bäumen eine lehmfarbene Hauswand auf. Die Familie kommt heraus, Balaram ist sehr schüchtern. Die Eltern sind überraschend aufgeschlossen, es wird erst mal palavert, ob wir drinnen oder draußen Platz nehmen sollen, schließlich sitzen wir alle im großen Allzweckraum der Familie. Tee wird serviert, Kekse, es wird geselliger.

Honig aus der Hauswand
Man beäugt sich, zunächst weiß keiner genau, wie er sich verhalten soll. Wir überreichen unsere Geschenke. Besonders unsere Fotos von Zuhause aus Tuttlingen in Deutschland und unserem Leben dort sorgen für viel Gesprächsstoff. Auch Balaram kommt langsam aus sich heraus. Die Unsicherheit ist vergangen. Es wird Honig aufgetischt – die Familie hat Wildbienen in der Hauswand, und uns zu Ehren wurde der Stock ausgeräumt. Wir waren kulinarisch auf einiges gefasst, aber nicht auf so eine Köstlichkeit! Viel zu schnell vergeht die Zeit und wir müssen wieder aufbrechen.

Zweiter Anlauf

Eine weitere halbe Stunde Fahrt wird uns zur nächsten Familie bringen, unterwegs haben wir Gelegenheit, zwei Plan-Projekte zu besuchen: einen Kindergarten und eine Frauenkooperative, die Mikrokredite an andere Frauen vergibt und ihnen so eine Existenz verschafft. Der Empfang bei Samjhana  ist überwältigend. Wir „kennen“ die Familie schon viele Jahre, waren Paten ihres großen Bruders, bis der das 18. Lebensjahr erreichte. Schon vor sechs Jahren waren wir dort, um die Familie zu besuchen. Leider mussten wir damals unseren Besuch wegen maoistischer Anschläge in der Region ganz kurzfristig canceln.

Verstehen ohne Worte
Jetzt werden wir mit Blumengirlanden empfangen. Die komplette Nachbarschaft ist mit dabei, es beginnt leicht zu regnen und mindestens 50 Leute drängen ins Haus, das aus winzigen Zimmerchen besteht. Die Mutter scheucht resolut alle heraus, die nicht zur Familie gehören, dann wiederholt sich die Zeremonie mit Tee und Geschenken. Unser Sohn und Samjhana sind gleichaltrig, verstehen sich ohne Worte, es wird gelacht. Wir dürfen uns überall im Haus umsehen. Am eindrucksvollsten ist die Küche mit den beiden Ziegen in der Ecke. Gekocht wird auf offenem Feuer. Auch jetzt hätten wir noch so viel zu fragen gehabt. Aber eins ist sicher: Hier waren wir nicht das letzte Mal.

 

Sie wollen auch gern Ihr Patenkind besuchen? Bitte beachten Sie unsere Informationen zum Besuch beim Patenkind.

AddThis Social Bookmark Button

Ich freue mich, dass Plan eine Schule für mein Dorf baut. Ich will Lehrerin werden!

Länderinfos Nepal
Erfahren Sie alles Wissenswerte über das Land Nepal und die Projektarbeit vor Ort.

Nepal