Mädchen und HIV/Aids

40,3 Millionen Menschen weltweit sind HIV-positiv, knapp die Hälfte davon sind Frauen. In Afrika südlich der Sahara übersteigt die Zahl der infizierten Mädchen und Frauen mit 57 Prozent die der HIV-positiven Männer.

Die Zahl der Neuinfektionen bei den 15- bis 24-jährigen Frauen steigt seit Mitte der 90er Jahre dramatisch an. Mittlerweile sind bereits 77 Prozent aller HIV-positiven Menschen zwischen 15 und 24 Jahren in Afrika südlich der Sahara Frauen. Mädchen in Entwicklungsländern sind besonders gefährdet, mit dem tödlichen Virus infiziert zu werden.

Mädchen sind besonders gefährdet. HIV/Aids wird in Entwicklungsländern hauptsächlich über heterosexuelle Kontakte und Mutter-Kind-Ansteckung übertragen. Das Risiko, mit dem Virus infiziert zu werden, ist für junge Mädchen drei- bis sechsmal höher als für gleichaltrige Jungen.

 

Die Gründe für die höhere Ansteckungsgefahr von Mädchen
Junges Heiratsalter, frühe Sexualkontakte, Gewalt gegen Mädchen und die immer noch verbreitete Unwissenheit über die Übertragungswege des Virus sowie Möglichkeiten des Schutzes gegen eine Infektion sind die Hauptgründe. Vorherrschende Wertvorstellungen, Traditionen und Sexualpraktiken verschärfen die Problematik (siehe unten).


Gewalt gegen Mädchen und Frauen gehört weltweit zum Alltag – sexueller Missbrauch, Vergewaltigung sowie Zwangsverheiratung von minderjährigen Mädchen führen zu höheren Ansteckungsraten in immer jüngeren Alters- gruppen. Erschwerend hinzu kommen mangelnde Sexualaufklärung sowie vielerorts religiös und kulturell bedingte Vorbehalte gegen die Benutzung von Kondomen.

 
Behandlungsmöglichkeiten
Die mittlerweile viel versprechende Kombinationstherapie ist für die meisten Menschen in Entwicklungsländern unerschwinglich trotz erfolgreicher Produktion billigerer Medikamente (Generika, pro Tag entsteht ein Kosten- aufwand in Höhe von rund drei US-Dollar) erreichen diese die Betroffenen noch nicht.

 
Die Mutter-Kind-Übertragung von HIV/Aids bei Schwangerschaft, Geburt und beim Stillen kann durch geeignete Maßnahmen wie der Verabreichung von Medikamenten während der Schwangerschaft, Entbindung durch Kaiserschnitt und dem Verzicht auf Stillen auf unter ein Prozent reduziert werden. In vielen Ländern mangelt es jedoch an der notwendigen medizinischen Infrastruktur und dem politischen Willen.

 
Warum Mädchen gefährdeter sind

  • In vielen Ländern Afrikas glauben Männer, dass Sex mit einer Jungfrau HIV/Aids heilt. Das führt zu Vergewaltigungen und Infizierung – insbesondere bei jungen Mädchen.

  • Mädchen, die an ihren Genitalien beschnitten sind, haben ein besonders hohes Ansteckungsrisiko, da es bei fast jedem Geschlechtsverkehr zu Verletzungen der empfindlichen Schleimhäute in der Vagina kommt.

  • Armut zwingt viele Mädchen, sich zu prostituieren. In Haiti und Brasilien stecken sie sich an, weil viele Männer keine Kondome benutzen wollen.

  • In Asien vermitteln Eltern ihre Töchter als Hausangestellte, um mit diesem Einkommen das Überleben der Familie zu sichern. Die Mehrzahl der Mädchen gerät jedoch in die Hände von Menschenhändlern, die sie an Bars und Bordelle weiterverkaufen, in denen sie sich prostituieren müssen. Mittlerweile sind zum Beispiel 40 Prozent der Prostituierten in Kambodscha HIV-positiv. Auch kommt es häufig vor, dass Hausangestellte von ihren Arbeitgebern sexuell missbraucht und dadurch mit dem Virus infiziert werden.

  • Ehefrauen, die von ihren Ehemännern die Nutzung von Kondomen einfordern, laufen Gefahr, der losen Moral bezichtigt oder gar als "Ehebrecherinnen" tituliert und verstoßen zu werden. Mädchen und Frauen sind sehr oft nicht in der Position, Safer Sex von ihren Partnern einzufordern.

 

6,5 Millionen Mädchen sind Aids-Waisen
Schätzungen aus 2005 zufolge beläuft sich die Zahl der Aids-Waisen unter 15 Jahren auf rund 13 Millionen. Die Mehrzahl davon lebt im südlichen Afrika (so zum Beispiel 380.000 in Südafrika, 630.000 in Simbabwe). Für alle Kinder, die erleben müssen, wie ihre Mütter und Väter sterben, bedeutet dies zunächst eine enorme psychische Belastung.

 
Mädchen sind zumeist als Erste gezwungen, kranke Angehörige zu pflegen und sich um die Geschwister zu kümmern. Aus diesem Grund brechen Mädchen häufig die Schule ab, was wiederum dazu führt, dass sie weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt und schlechtere Verdienstmöglichkeiten haben. Häufig sehen sie sich dann gezwungen, sich zu prostituieren, um den verbliebenen Familienmitgliedern das Überleben zu sichern. Damit erhöhen sie wiederum das Risiko einer HIV-Infektion.

 
Fazit
Aids in Entwicklungsländern führt zu noch größerer Armut, die wiederum die Zahl der HIV-Infektionen erhöht – ein Teufelskreis. Die Auswirkungen von Aids sind in der gesamten Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur spürbar. Mädchen unterliegen einem vielfach höheren Risiko, sich mit dem tödlichen Virus zu infizieren.

 
Der Kampf gegen die Pandemie muss deshalb auf drei Ebenen geführt werden:

  • Aufklärung und Informationsverbreitung über Präventionsmaßnahmen, um Verhaltensänderungen bei Männern und Frauen zu erreichen.

  • Verbesserung der gesellschaftlichen Position von Mädchen und Frauen, um ihren Handlungsspielraum und ihre Verhandlungsmacht zu stärken.

  • Bereitstellung von notwendigen Medikamenten für alle Betroffenen.

 

 
Der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bildung
Untersuchungen der Weltbank zeigen, dass der Gesundheitszustand von Kindern direkt mit der Verfügbarkeit von Basisgesundheitsdiensten sowie der Bildung der Mütter zusammenhängt. Mädchen, die zur Schule gehen, bekommen in der Regel später ihr erstes  Kind und gebären im Durchschnitt weniger Kinder. Auch die Säuglings-, Kinder- und Müttersterblichkeit wird geringer, je höher die Schulbildung der Mütter ist.

 
Projekt Memory Books in Uganda
In Uganda ist jede Familie direkt oder indirekt von Aids betroffen. Plan führt seit 1994 HIV-/Aids-Programme im Land durch. Seit 1999 liegt der Schwerpunkt auf der Arbeit mit Aids-Waisen. Im Vordergrund stehen die direkte Unterstützung der Kinder sowie die Nachlassregelung und Zukunftsplanung mit den Familien. Plan ermutigt die Mütter und Väter, ihre Lebensgeschichten, Ratschläge und Wünsche für ihre Kinder in sogenannte Memory Books zu schreiben, damit sie nach dem Tod der Eltern eine Erinnerung an ihre Familie haben. Auch werden mithilfe dieser Aufzeichnungen Traditionen und Werte bewahrt.


Projekt Schutz für Neugeborene in Uganda

Die Übertragung des Virus von der Mutter auf ihr Baby ist die häufigste Form der HIV-Infektion von Kindern. Die meisten Kinder werden bereits in der Schwangerschaft oder durch den Blutkontakt während der Geburt angesteckt. Manchmal kommt es auch zu einer Infektion durch das Stillen. Dabei ist es möglich, viele Kinder durch gezielte Prävention zu schützen.

 

Eine medikamentöse Behandlung der HIV-positiven Mutter während und kurz nach der Geburt kann das Infektionsrisiko für ihr Kind um mindestens 50 Prozent reduzieren. Im Rahmen eines Pilotprojektes bietet Plan im Distrikt Tororo, im Osten von Uganda, schwangeren Frauen eine medizinische Betreuung, die das Risiko einer HIV-Übertragung auf ihr Kind reduziert.

 

Erfahren Sie mehr über das Projekt Schutz für Neugeborene in Uganda.

 

 

Mehr Informationen zu Aids in Afrika:
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