Hoffnung für Leni und Anne

Aids ist ein großes Problem in Afrika – und in vielen Regionen ist eine Besserung noch längst nicht in Sicht. Viele Kinder verlieren ihre Eltern an diese Krankheit. Einige Eltern schreiben für ihre Töchter und Söhne Erinnerungsbücher, die sogenannten Memory Books, in denen sie die Familiengeschichte festhalten. Damit geben sie ihren Kindern Ratschläge und Wünsche mit auf den Lebensweg. Alf Berg (Plan Norwegen) berichtet über das Leben mit Aids am Beispiel einer Familie in Malawi.

Die Familie lebt in Mzuzu im Norden von Malawi, einem kleinen ostafrikanischen Land. Die Erwachsenen Fynes und Daniel und ihre Pflegekinder Leni und Anne sind HIV-positiv, ihre leiblichen Kinder Vitumbiko und Eunice sind nicht infiziert.

 

Leni und Anne haben ihre Eltern durch das Virus verloren und sind zunächst zu ihren Großeltern gezogen. Die Großeltern sind jedoch nicht in der Lage, für die beiden Mädchen zu sorgen.

Die Umstände belasten Anne und Leni sehr. Sie sind verunsichert und reagieren ganz unterschiedlich auf den Verlust ihrer Eltern. Während Leni sich abweisend und zynisch verhält, ist Anne anhänglich und sucht nach Schutz und Nähe.

Fynes und Daniel sind die Nachbarn der Großeltern. Sie haben sofort gemerkt, dass Anne und Leni Hilfe brauchen. Nach wenigen Wochen zogen die Mädchen bei Fynes und Daniel ein -  zur Erleichterung der Großeltern. Dass Fynes und Daniel die Geschwister in ihre Familie aufgenommen haben, ist aussergewöhnlich, besonders wenn man bedenkt, dass die Familie selbst kaum zu Essen hat.


Leben mit der Krankheit
An manchen Tagen geht es Leni so schlecht, dass sie sich vor Schmerzen nicht bewegen und nicht zur Schule gehen kann. Im letzten Jahr war Leni häufiger krank, sie hatte starken Husten und verlor Gewicht. Zum Glück sind die beiden ältesten Kinder Eunice und Vitu nicht mit dem Virus infiziert. Doch auch Vito war einige Zeit sehr krank:

"Vor drei Jahren verlor der kleine Vitu mehrere Kilo innerhalb weniger Tage. Eines Tages brach er vor Erschöpfung zusammen und blutete aus der Nase," berichtet Fynes. Zu dieser Zeit war Daniel bei der Ernte, deren Erträge die Familie für das nächste halbe Jahr versorgt hätten. Er suchte eine Arbeit als Tagelöhner, mit der er schnell Geld für den Transport von Vitu in das Krankenhaus verdienen konnte. Aus diesem Grund konnte er sich nicht um die Ernte kümmern, so dass diese auf dem Feld vertrocknete. Währenddessen wurde im Krankenhaus wurde bei Vitu eine Vergrößerung der Milz diagnostiziert.

 

Die Familie hat nicht genug Geld, um Anne und Leni ins Ekwendeni-Krankhaus zu bringen und dort die regelmäßig notwendigen T4-Tests durchführen zu lassen. Bei dem Test wird die Zahl der T4-Helferzellen im Blut gezählt. Liegt die Zahl der Zellen unter einen bestimmten Grenze, kommt es zum Ausbruch der Krankheit.

 

Bedauerlicherweise erhalten die infizierten Menschen erst eine kostenlose Behandlung, wenn die Zahl der weißen Blutkörperchen bereits sehr gering ist. Ken Nkhana, der Leiter der lokalen Selbsthilfegruppe, erklärt: "Um in Malawi Medikamente zu erhalten, muss die Zahl der weißen Blutkörperchen so niedrig sein, dass die Krankheit Aids praktisch schon ausgebrochen ist. Es ist frustrierend."

 

Memory Books begleiten die hinterbliebenen Kinder
Daniel weiß, dass er bald sterben wird. Damit die Kinder sich später an ihn erinnern, führt er ein Tagebuch, ein sogenanntes Memory Book. Er kann ihnen so Geschichten erzählen aus der Zeit, als sie noch klein waren. Er beschreibt auch wichtige Ereignisse aus seinem eigenen Leben und seine Hoffnungen für die Zukunft der Kinder nach seinem Tod. In der Zwischenzeit versuchen Daniel und Fynes den Kindern beizubringen, was sie über die Arbeit auf dem Hof und im Haus wissen müssen, um später für sich selbst sorgen zu können.

"Es ist nicht einfach", sagt Daniel, "weil man einem Kind nicht alles erklären kann. Wenn ich Leni und Anne von ihren Eltern erzähle, fangen sie an zu weinen. Ich will nicht, dass sie weinen. Ich will, dass sie glücklich sind."

Fynes und Daniel machen sich viele Gedanken. Sie fragen sich zum Beispiel, wie die Kinder nach ihrem Tod zurechtkommen werden, denn sie haben keine lebenden Verwandte mehr, die ihnen helfen könnten. Die Kinder müssen schon heute viele Aufgaben im Haushalt übernehmen, da Fynes immer schwächer wird. Und wenn es Leni nicht gut geht, helfen die Kinder ihr ebenfalls.

Fynes und Daniel hoffen, dass es den Kindern gut gehen wird. "Sie sind zusammen so glücklich und spielen schön. Sie sind die besten Freunde. Deshalb glaube ich, dass sie es schaffen werden", sagt Daniel.

 

 

weiterführende Informationen: Memory Books und HIV/Aids

 

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Mein Traum ist es, Ärztin zu werden, um den aidskranken Menschen in meinem Dorf zu helfen.

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